Der Messias bringt ein neues Spielzeug

28. Januar 2010 um 10:01 Uhr

Als ich heute morgen wach geworden bin, sah die Welt noch genau so aus, wie immer. Vielleicht lag ein bisschen mehr Schnee auf den Wiesen und Dächern gegenüber, aber im Prinzip hatte sich nichts radikal verändert. Auch schien sie sich noch mit der gleichen Geschwindigkeit zu drehen – zumindest so weit ich das nach einem Blick aus dem Fenster  zu beurteilen vermochte. Das Wasser, das ich vorausschauend in einigen Flaschen hier und dort in der Wohnung drapiert hatte, war über Macht ebenfalls nicht in Wein verwandelt worden. Da musste ich mich doch ein wenig wundern – schließlich hatte gestern Abend doch der „Messias“ zu uns gesprochen.

Aber nicht nur das, er hatte der Menschheit sogar etwas mitgebracht: das (oder etwas den?) iPad. Sehnsüchtig hatte die Gemeinde auf den Moment gewartet, als Steve Jobs, der Herr der Äpfel, die neueste Apparatur aus seinem Hause seinen Jünger zur Anbetung entgegenhielt. Und die ließen sich dann auch nicht lumpen und brachen vorschriftsmäßig sofort in großes Jubilieren aus, wie es sich für ordentliche Jünger gehört. Und dann trugen sie die Kunde vom tablet in die Welt hinaus.

Ob das (ich lege mich jetzt fest) iPad mehr ist, als eine nette Spielerei, wird sich in den nächsten Monaten in der Praxis zeigen. Einen Preis hat Apple aber wieder einmal schon jetzt verdient: den Preis für das beste Marketing des noch jungen Jahres.

Zuerst gab es nur leise, gezielt gestreute, Gerüchte, Mr. Jobs könnte auf der Pressekonferenz im Januar etwas Tolles präsentieren. Dann wurden hier und da weitere Häppchen gestreut, bis sich die Interessierte Welt darüber im Klaren war, hier würde nichts Geringeres als eine technologische Revolution der Öffentlichkeit  vorgestellt werden. Schon zu diesem Zeitpunkt war die Hysterie kaum zu zügeln – und nun hatte auch die für gewöhnlich nicht Informierten und wenig Interessierten mitbekommen, dass ein großer Moment in der Geschichte der Menschheit zu erwarten sei. Auf diese Weise ist es Apple wieder einmal gelungen, die größtmögliche Aufmerksamkeit auf das eigene Produkt zu lenken.

Auf die Verkaufszahlen wird sch diese Strategie auch auswirken. Wer etwas auf sich hält, muss natürlich zu den Ersten gehören, die sich ein iPad zulegen. Das läuft dann ähnlich, wie beim iPhone, das zur Zeit weltweit knapp 30 Millionen Mal verkauft worden ist und sich immer noch größter Beliebtheit erfreut.

Und auch ich werde nun anfangen zu sparen, um mir möglichst bald ein iPad zulegen zu können …

Ein Hoch dem Durcheinander – eine Art Manifest

20. Januar 2010 um 22:11 Uhr

Wohlgeordnet, mit den passenden Etiketten versehen und dann in die richtige Schublade gesteckt – da fühlt sich die Krämerseele so richtig wohl. Die Bücher im Regal sind natürlich penibel nach Größe und Farbe sortiert (Intellektuelle bevorzugen hier bisweilen auch ein alphabetisches System). Hauptsache es gibt keinen Kuddelmuddel, kein Chaos, keine UNORDNUNG.

So, wie im „richtigen“ Leben, wollen auch viele Menschen das Internet schön sauber und sortiert vorfinden. Artikel, die auf einer Seite daherkommen, sollen gefälligst sauber und ordentlich in Kategorien einsortiert und nach Größe und Farbe – oder zumindest alphabetisch – sortiert sein.

All das ist das „Kreuz & Quer Blog“ nicht. Ätsch, möchte man an dieser Stelle sagen, wenn man als Autor nicht auch eine gewisse Verantwortung für die geistige Unversehrtheit seiner Leser hätte. Daher lässt man es besser. Im „Kreuz & Quer Blog“ wird das Hohelied der Unordnung gesungen. Es gibt keine Kategorien, alle Einträge (die noch nicht einmal annähernd regelmäßig erscheinen) stehen einfach so untereinander. Da kann eine Plattenkritk direkt über dem Kommentar zur politischen Lage der Nation platziert oder ein Newseintrag zur neuesten wissenschaftlichen Erkenntnis in Sachen Nanotechnologie von einer Polemik gegen Zeitgenossen, die es natürlich bedient haben, flankiert sein. Und der geschätzte Leser muss sich durch den ganzen Schlamassel hindurchkämpfen.

Wenn er es will, denn müssen muss er natürlich gar nichts. Ein Klick und das Blog ist weg, im Nirwana des WWW auf nimmer Wiedersehen verschwunden. So einfach geht das. Aber vielleicht wäre das ja ein Fehler, denn wer weiß, welche Erkenntnisse das Blog in der kommenden Woche zu bieten hat? Und auf welchem Gebiet? Vielleicht sollte man ja doch hin und wieder zurückkommen zum „Kreuz & Quer Blog“ – und sei es nur, um sich über das Durcheinander zu ärgern.